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Bevölkerungsschutz

Fukushima untermauert Bedeutung des Strahlenschutzes

Neun Monate nach der Havarie im Kernkraftwerk Fukushima arbeitet Japan daran, die Strahlenbelastung in der Unfallregion einzudämmen. Vor welchen Herausforderungen das Land dabei steht, zeigt der neue ENSI-Bericht zu den radiologischen Auswirkungen des Unfalls vom 11. März 2011. Die Lehren für den Schweizer Strahlenschutz hat das ENSI bereits Ende Oktober gezogen.

21.12.2011 | Eidgenössisches Nuklearsicherheitsinspektorat, ENSI

Der Tsunami vom 11. März 2011 hat die Kernkraftanlage Fukushima Dai-ichi stark beschädigt. In der Folge gelangten aus den Blöcken 1 bis 3 Spaltprodukte in bedeutender Menge in die Umwelt. Die japanischen Behörden evakuierten die betroffenen Gebiete grossräumig und konnten damit die Strahlenexposition der Bevölkerung begrenzen. Das dokumentiert der neue Bericht des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats (ENSI) zu den radiologischen Auswirkungen des Unfalls im Kernkraftwerk Fukushima Dai-ichi. Der Unfall führte zu einer radiologischen Belastung von Mensch und Umwelt über die Evakuationszone hinaus, die bis in die Gegenwart fortbesteht und deren Beseitigung die japanischen Behörden vor eine bisher ungelöste Aufgabe stellt. Der Bericht stammt von einem interdisziplinär zusammengesetzten Expertenteam des ENSI („Japan-Analyseteam") und beruht auf japanischen sowie internationalen Quellen. Er ergänzt die beiden Analysen zum Unfallgeschehen, die das ENSI bereits Ende August vorgestellt hat.

 

Schweizer Strahlenschutz wird überprüft

Das ENSI hat aus den Erkenntnissen des vorliegenden Berichts bereits die Lehren für die Schweiz gezogen. Sie sind enthalten im Bericht „Lessons Learned und Prüfpunkte aus den kerntechnischen Unfällen in Fukushima" vom Oktober 2011. Darin kündigte das ENSI unter anderem an, die Personendosimetrie und den operationellen Strahlenschutz in der Schweiz auf ihre Verlässlichkeit im Fall eines schweren Unfalls hin zu überprüfen. In diesem Bereich waren in Fukushima insbesondere in den ersten Stunden und Tagen nach dem Unfall offenkundige Versäumnisse aufgetreten. Der Unfallverlauf lässt den Schluss zu, dass in diesem Bereich mehr Reserven für Störfälle vorgehalten werden müssen als bisher angenommen. Die Erfahrungen aus Fukushima zeigen ferner, dass selbst im Falle eines schweren Unfalls immer noch zahlreiche Möglichkeiten für Dosisreduktionen und für die wirksame Verhinderung von Inkorporationen bestehen, wenn die Schutzmittel konsequent angewendet werden. Dies bestätigt die grundlegende Bedeutung von vorbeugenden Massnahmen im Bereich des Strahlenschutzes für den Schutz der Bevölkerung weltweit und in der Schweiz.

 

Tschernobyl-Folgen waren schwerwiegender

Der ENSI-Bericht stellt in einem Kapitel die Unfälle von Tschernobyl (1986) und Fukushima (2011) einander gegenüber. Beim Vergleich der ökologischen und radiologischen Konsequenzen der beiden Reaktorunfälle ist derjenige von Tschernobyl aus heutiger Sicht klar als schwerwiegender einzuschätzen. Durch Explosion und Brand im Inneren des Reaktors in Tschernobyl gelangten etwa fünf- bis zehnmal mehr radioaktive Stoffe in die Atmosphäre und erreichten wesentlich grössere Entfernungen als in Fukushima, wo ein grosser Teil der Freisetzung von den bewohnten Gebieten weg in Richtung des Pazifischen Ozeans erfolgte. Ein Vergleich der langfristigen Folgen beider Unfälle ist derzeit noch schwierig, weil für Fukushima bislang nicht alle relevanten Informationen vorliegen. Nach den bis heute verfügbaren Daten werden die effektiven Strahlendosen für die einheimische und weltweite Bevölkerung durch Fukushima wesentlich kleiner ausfallen als bei Tschernobyl.

Der Bericht beurteilt auch die radiologischen Auswirkungen des Unfalls von Fukushima auf die Schweiz. Zwar konnten in unserem Land mit hochempfindlichen Verfahren Spuren der freigesetzten Radioaktivität nachgewiesen werden. Diese sind aber vernachlässigbar klein. Zu keiner Zeit bestand eine gesundheitliche Gefährdung für die Schweizer Bevölkerung.

 

Adresse für Rückfragen:

Anton Treier, Sprecher ENSI, Tel. 056 460 85 70

 

Tags: ABC-Schutz, Einsätze Katastrophenbewältigung
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Zuletzt aktualisiert am: 21.12.2011
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